Camino Primitivo

Camino Primitivo von Oviedo nach Santiago de Compostela

Hast du schon mal davon geträumt, eine intensive und transformative Pilgerreise zu unternehmen? Einen Weg zu gehen, der nicht nur körperliche Herausforderung bereithält, sondern auch Wachstum und Erkenntnisse über sich selbst? Dann bist du hier genau richtig! In diesem Beitrag werden wir euch von unserer persönlichen Erfahrung auf dem Camino Primitivo erzählen – dem ursprünglichen Weg nach Santiago de Compostela. Nehmt Platz in unserem virtuellen Refugio und begleitet uns auf diesem spannenden Abenteuer des Camino Primitivo!

 

Etappe 1 Camino Primitivo: Oviedo – Grado

Etappe 1: 27,6 km, 570 Höhenmeter

 

 

Wir haben 14:30 Uhr und wir sitzen in einem Restaurant, wo wir einen Cachopo essen werden. Das ist eine lokale Spezialität und ist im Grunde genommen ein Cordon bleu aus der Region. Wir haben der Cachopo mit Luft getrockneter und eine besondere Käse aus der Region bestellt. Das wird total lecker sein!

 

Ansonsten haben wir die erste Etappe des diesjährige Caminos gut gemeistert. Für 27,3 km haben wir etwas über 5 Stunden gebraucht. Die Füße sind ein bisschen strapaziert, aber ansonsten alles gut. Die Schulter könnten später eine kleine Massage gebrauchen, weil sie von den zehn Kilo schweren Rucksack etwas verspannt sind. Die Route hatte relativ viel Asphalt, aber es war okay, bis auf 1 km oder so waren die Straßen nicht wirklich befahren. Es ging leicht und locker. Dazwischen hatten wir Strecken am Fluss, im Wald und durch kleine Ortschaften. 

 

In Sachen Verpflegung gab es mindestens zwei Lokale vor Grado, wo wir etwas zu uns hätten nehmen können. Ich erwähne es, weil es viele Berichte gibt, dass auf dem Camino Primitivo kaum etwas zu finden ist, sei es Cafes, Restaurants oder Läden. Wir haben nach zwei Stunden Wanderung, einen Kaffee und ein “bocadillo de Tortilla a la francesa” zu uns genommen. Danach sind wir weiter gelaufen. Grado ist eine nette kleine Stadt. Unser Herberge sieht vollkommen in Ordnung aus. Die Dame, die uns in Empfang genommen hat, war sehr freundlich und ist am selben Tag geboren wie ich (Ignacio).

 

Etappe 2 Camino Primitivo: Grado – Bodenaya

Etappe 2: 30,8 km, 1.050 Höhenmeter

 

 

Zweite Etappe des diesjährigen Caminos, zwischen Grado und Bodenaya. Etwas über 30 km. Wir haben es sogar geschafft, die 1000 Höhenmeter Marke zu knacken. 😝

Um Punkt 7:00 Uhr verließen wir die Stadt Grado. Der Weg war schön, das Wetter leicht bewölkt, etwas frisch, aber perfekt zum Wandern. Unser Wunsch nach einem Frühstück ließ etwas auf sich warten, und wir brauchten etwas über 2 Stunden und 11 km, bis wir soweit waren. In der Stadt Cornellana haben wir eine Bar an der Hauptstraße ausfindig machen können, wo wir extrem (ich betone extrem) leckere Tortilla de Patatas frühstücken konnten, mit ein paar Milchkaffee noch dazu. 

 

Danach ging’s wieder bergauf und bergab, bis wir wie durch ein Zufall bei Kilometer 20 einen Ferienhaus/Herberge gefunden haben, namens La Figal de Xugabolos. Der Besitzer, Armando war äußerst interessant und ein echt origineller Typ, der vor sieben Jahren ein Grundstück gekauft hat und heute mehrere super elegante, künstlerische Ferienwohnungen daraus gemacht hat. Die Begegnung war so schön, dass wir über 1 Stunde dort blieben und fast wären wir zu spät für unsere Herberge gewesen. 

 

3 km später in der Kleinstadt Salas hatten wir unse Cachopo-Bocadillo und ein Getränk, haben wir in einer Bar, etwas zum Probieren bekommen. Das waren total leckere kleine frischgebackene Brötchen gefüllt mit Chorizo und die haben himmlisch geschmeckt. Danach haben wir einen Kaffee zu uns genommen und die Route ging weiter, leider hatten wir 6 km Aufstieg vor uns, und uns war das alles nicht klar. 😳. 

 

Nun ja, es liest sich alles nicht ändern und mit etwa 1 Stunde Verspätung wurden wir von unserer Herbergs Mutter angerufen, um sicher zu sein, dass wir noch Interesse hatten, bei ihr zu übernachten. Alles war super und 20 Minuten später waren wir dort. Die Herberge hat eine besondere Erwähnung verdient, weil es von einem Paar auf Donativo/Spendenbasis betrieben wird. Sie machen es genauso wie früher, dass man richtig im Empfang genommen wurde, Informationen über die nächsten Etappen bekommt, die Klamotten werden gewaschen und noch dazu ein leckeres Essen zu sich nehmen kann. Der Herbergsvater kommt aus Madrid und die Herbergsmutter kommt aus dem State Oregon in den USA. Allein die Geschichte, wie sie sich getroffen haben, würde einen separaten Beitrag verdienen.

 

Etappe 3 Camino Primitivo: Bodenaya – Campiello

Etappe 3: 27 km, 600 Höhenmeter

 

 

Nach einer halbwegs erholsame Nacht und trotz schönem Doppelzimmer für Andrea und für mich, wurden wir um 6:30 Uhr geweckt. Mit Musik geweckt, um genau zu sein, mit dem “Ave Maria von Schuber”t. Danach haben wir ein bisschen gefrühstückt (“Melindres”) und haben uns sehr schön von den Herbergseltern verabschiedet. Ein richtiges Frühstück hatten wir bei Kilometer zwölf. Es hat ein bisschen gedauert, aber wir haben ein Lokal gefunden mit Tortilla und einen Kaffee. Wir haben Elisabeth getroffen, eine junge Amerikanerin, die gestern bei uns in der Herberge übernachtet hat. Direkt danach haben wir in einer Bäckerei ein Stück Empanada sowie eine kleine Anzahl an Preñaditos gekauft. Letztere sind diese mit Chorizo gefüllten Brötchen. Dies besorgten wir als Proviant, da es die nächsten Kilometer keine Einkaufsmöglichtkeiten gebenwürde. 

 

Nächste Highlight des Tages befand sich bei Kilometer 21, das ist der Kloster Obona, ein Kloster, welches im zwölften Jahrhundert von dem König Asturiens zum Pflichthalt für Pilger auf dem Weg nach Santiago deklariert wurde. Heute ist es eine Ruine, aber es ist trotzdem interessant und spannend. Danach hat sich der Weg, ungefähr fünf Kilometer ziemlich gezogen und wir wollten noch weiterlaufen, sind dann in Campiello geblieben. Bei der Ankunft hatten wir ein Getränk mit anderen Pilgern und hatten schöne Gespräche. Wir haben eine ziemlich moderne Albergue und haben lecker in der Bar gegenüber gespeist. 

 

Etappe 4 Camino Primitivo: Campiello – Berducedo

Etappe 4: 27,6 km, knappe 1.000 Höhenmeter

 

 

Die heutige Etappe kann man, als die Königsetappe der Camino Primitivos betrachten. Es ist landschaftlich sehr schön. Es gibt keine Verpflegung unterwegs und die Wege sind ziemlich kaputte, besser für Ziegen geeignet, aber kaum für müde Wanderer und und deswegen leider mit einem etwas langsamerem Tempo. 

Aber fangen wir von Anfang an. Die Nacht war okay, was in meinem Fall bedeutet, Ich habe kaum geschlafen, weil entweder zu warm oder zu kalt oder irgendjemand schnarcht oder es gibt einen allgemeinen Mangel am Sauerstoff und und und. Aber das gehört irgendwie bei mir zum Camino dazu. Um kurz nach sieben waren wir schon unterwegs, und der Tag sah noch trocken aus. Man muss sagen, dass gestern die Wettervorhersage für heute ziemlich schlecht aussah.

Ich kann sagen ungefähr um 8:00 Uhr ging’s los mit dem Regen, und es hat erst um 18:00 Uhr aufgehört. Es war eine von diesen Tagen, die in Erinnerung bleiben werden, weil es die ganze Zeit von vorne oder von der Seite geschüttet hat Alles war nass egal ob Regenhülle oder Regenschirm oder Regen Poncho. Die Schuhe quietschen vor lauter Wasser und irgendwann ab Kilometer 13 war es vollkommen egal ob man in einer Pfütze voll reinmarschiert ist oder nicht. Teilweise sahen die Wege aus wie strömenden Bäche.

Wir haben uns jegliche Pausen gespart, weil eine Pause, die länger als 1 Minute gedauert hätte, Hätte bedeutet, dass wir gefroren hätten. Für einen kurzen Augenblick (ungefähr fünfeinhalb Kilometer) dachten wir, wir würden eine Bar finden, 4 km vor unserer Herberge, und wir hatten uns gefreut einen Kaffee trinken zu können. Nun, leider wie so oft alles eine Fata Morgana und wir müssten warten bis Berducedo.

Die Ankunft in der Herberge war echt interessant, weil das erste, was wir gemacht haben ist unter die Dusche zu gehen und die Klamotten gleich in einem Korb zu packen, damit sie sofort gewaschen und getrocknet werden können. Wir waren ungefähr Nummer zehn in der Schlange und es ist aktuell 20:00 Uhr und wir haben die Klamotten seit 5 Stunden noch nicht zurückbekommen, so hoch ist die Nachfrage. Ansonsten haben wir lecker gegessen und wir haben uns so gut wie es ging, ausgeruht.

 

Etappe 5 Camino Primitivo: Berducedo – Grandas de Salime

Etappe 5: 20,9 km, 640 Höhenmeter

 

 

Die heutige Etappe fing schon mal sehr gut an, weil unsere Schuhe so gut wie trocken waren, was ein absolutes Highlight war. Die Nacht war nichts besonderes, bis auf die Tatsache, dass ich mitten in der Nacht aufstehen müsste um zwei Haartrockner die seit zwei oder 3 Stunden nonstop liefen, auszustöpseln. Irgendeinen Hirnloser hatte gemeint, er müsste so seine Schuhe trocknen und hat den Föhn in die Schuhe gesteckt und volle Pulle stundenlang laufen lassen. Ich war sehr kurz davor, Wasser in seine Schuhe rein zu kippen, einfach mal nur um die Message klarzumachen.

Nun ja, der Tag fing neblig und kalt an, aber trocken. Nach Kilometer dreieinhalb fanden wir eine Herberge mit Kaffee und haben dort einen Kaffee zu uns genommen. Danach ging es hoch auf der Straße bis zu einer kleinen Kapelle. Kurz darauf ging es dann über mehrere Kilometer oberhalb eines Stausees bergab (teilweise sehr steil bergab) bis zur Staumauer. Danach ging es ca. 1 km auf der Straße in Richtung Grandas de Saline. Nach der Staumauer haben wir in einem Restaurant mit Terrasse Halt gemacht um ein Kaffee, ein Bier und zwei Pinchos zu uns zu nehmen.

Das beste war, dass es zu dem Zeitpunkt sonnig war und wir saßen draußen. Danach hatten wir ein paar weitere Kilometer auf der Straße und dann gingen wir sehr schön durch einen Wald bis zur Ortschaft. Die Ortschaft hat eine sehr interessante Kirche, ein super ethnologisches Museum (was aber leider montags zu ist) und eine Bar/Laden mit einem sehr schönem Ambiente. Auf dem Weg zum Ortschaft gab es eine Truppe von Waldarbeiter der Stadt, die den Weg sauber gemacht haben, was zwar nicht unbedingt notwendig war, aber trotzdem war es schön zu wissen, dass sich jemand um den Weg kümmert.

 

Etappe 6 Camino Primitivo: Grandas de Salime – Fonsagrada

Etappe 6: 26,3 km, 840 Höhenmeter

 

 

Die heutige Etappe fing mit schönem Wetter an. Bis Kilometer 13 ging es bergauf, bis zum El Acebo Pass. Acebo (Ilex – Stechpalme) gibt es selten in Spanien, überwiegend im nördlichen Drittel der Halbinsel. Für deutsche Verhältnisse nichts besonderes, aber in Spanien sieht man sowas selten. Heute um sieben Uhr als wir losgelaufen sind, war es frisch, leicht neblig, aber es versprach ein toller Tag zu werden.

Wir haben tolle Blicke gehabt und nach wenigen Kilometer, haben wir bei circa Kilometer drei schon mal unsere Tradition gebrochen, in dem wir gleich einen Kaffee zu uns genommen haben. Normalerweise versuchen wir erst bei Kilometer zehn oder so eine etwas längere Pause zu machen, aber heute war es früher. Kurz danach haben wir die Straße verlassen und dann wurde es dann schnell matschig. Es ist kaum zu glauben, aber ein bis zwei Tage, nach dem es so viel geregnet hat, sind die Wiesen hier noch voll überflutet, dadurch zu laufen macht kein Spaß. Dafür haben wir schöne Blumenwiesen und viel Grün rundherum gesehen.

Danach kam ein ziemlich langer Aufstieg bis zur Grenze zwischen Asturien und Galicia. Lustigerweise gab es eine Art Strich auf dem Boden, ungefähr 50 m vor der Strich, welcher auf der Karte zu sehen war. Wir haben ein paar Bilder gemacht und fühlten uns nicht viel anders als in Asturien. Eine Sache muss man schon sagen, der Camino de Santiago ist besser im Schuss in Galicia als in Asturien. Es wird besser gepflegt. Es gibt mehr Schotter und weniger Schlamm. Interessant ist es, dass die Markierung einige Pilger verwirren kōnnte: Während in Asturien die Muscheln alle in Richtung Santiago zeigen, sind hier in Galicia alle Pfosten gleich gestellt worden, und die Muschel zeigt immer nach links, egal, ob das gerade passt oder nicht. 

Nun ja, bei Kilometer 14 haben wir dann richtig gefrühstückt “bocadillo de tortilla”  und Kaffee. Dann ging es mehr oder weniger bergab bis kurz vor der Ortschaft Fonsagrada, wo es plötzlich ziemlich steil bergauf ging. Alle Wanderer wissen, wie wichtig es ist, die Wanderung nicht mit einem krassen Aufstieg zu beenden. Ich würde sagen, hier ist diese Weisheit nicht so verbreitet wie in Deutschland. 😝. Heute Abend schlafen wir in eine öffentliche Herberge, die aber sehr modern und sauber ist. Man kann tatsächlich nicht behaupten, dass die öffentliche Herbergen in Spanien schlecht sind. Es gibt Herberge und Herbergen, und diese hier ist gut.  Zum Mittag haben wir für 22 € in einem von den besten Restaurants gegessen: Caldo Gallego, Pimientos de Padrón und Pulpo a Feira. Es war mehr als genug und sehr sehr lecker. 

 

Etappe 7 Camino Primitivo: Fonsagrada – Castroverde

Etappe 7: 33,1 km, 820 Höhenmeter

 

 

Wir haben in der Alberge Municipal übernachtet. An sich alles super, Preisleistung völlig in Ordnung. Acht Euro die Übernachtung, sauber und hat im Prinzip alles, was man so braucht. Was in keiner öffentlichen Herberge in Galizien zu finden ist, sind Küchengeschirr und Decken. Das ist standardmäßig nicht vorhanden in den galizische öffentliche Herbergen. Uns hat es gar nicht gestört. Temperatur war perfekt und wir haben an sich gut geschlafen. Bis irgendein Idiot (es gibt die immer wieder) meint so gegen 5:00 Uhr aufstehen zu müssen. Ich werde wahnsinnig, weil diese Menschen, die kommen nicht früher an als die anderen, keine Ahnung, wieso sie so früh aufstehen müssen. Nun ja, wir sind um sechs aufgestanden und um 6:45 Uhr waren wir schon unterwegs.

 

Wir haben tolles Wetter gehabt. Es war weniger kalt als gestern in der Früh und wir hatten total schöne Landschaften mit ein bisschen Nebel in den Tälern, aber wir waren darüber. Ich bin kein Morgenmensch, aber ich muss schon sagen, dass es wirklich schön ist Sonnenaufgang unterwegs zu erleben. Am für sich war die Wanderung völlig unproblematisch. Die Wege waren sehr gut, leicht zu laufen, obwohl es wie so oft ein kontinuierliches hoch und runter ist.

 

Der Plan war bei Kilometer elf in der erste Bar zu frühstücken, aber leider hatte die Bar zu, weil sie irgendwie renoviert haben. Damit hatte sich unser Frühstück zu erst erledigt. Wir mussten bis Kilometer 17 warten und es war fast 11:00 Uhr. Wir haben ein bisschen gedarbt, weil wir auch gestern Abend auf das Abendessen verzichtet haben (wir haben ein paar Bierchen und Weine getrunken, aber nichts festes), wir kommen langsam in so einer Art Wandern- und Fastenmodus. Um 11:00 Uhr gab es dann einen “bocadillo mit chorizo und Käse”. Das hat uns gereicht bis zum Kilometer 24, wo eigentlich unsere Etappe zu Ende gehen sollte.

Morgen wollen wir in eine relative große Stadt sein und wir wollten lieber heute länger laufen und dafür morgen etwas früher in die Stadt ankommen. In folge dessen mussten wir heute 8 km mehr wandern. Das tat wir auch, aber wir wollten ein bisschen was essen. Leider war das Mittagessen ein etwas enttäuschend, aber es hat gereicht und bis in die Ortschaft Castroverdeuns zu tragen. Wir übernachten wieder in eine Albergue Municipal und auch hier ist es super. Vor kurzem modern gebaut und sehr hell und sauber. Insgesamt sind wir ca.  zwölf Personen.

 

Etappe 8 Camino Primitivo: Castroverde – Lugo

Etappe 8: 23,5 km, 340 Höhenmeter

 

 

Die Nacht war ganz okay. Es ist immer eine Herausforderung in Herbergen zu schlafen, aber an sich war diese Herberge absolut empfehlenswert. So gegen 3:00 Uhr gab es schon die erste Bewegung, weil eine englische Dame nicht schlafen konnte und sie hat sich schon vorbereitet. Um 6:00 Uhr waren wir wach und um 6:50 Uhr standen wir vor der Tür. der Tag fing absolut gut an, nicht so kalt. Wir haben heute eine relativ kurze Etappe von ungefähr 22 km bis Lugo.

Unsere Frühstückspläne kamen mächtig durcheinander, weil wir nicht wussten, dass heute nichts in Form von Bar oder Kneipe oder Restaurant oder Laden oder sonst was bis Lugo vorhanden sein wird. Dementsprechend haben wir bei Kilometer 10 zwei Müsliriegel sowie eine Handvoll Nüsse zu uns genommen. Das war ein kleines Versagen, aber es liest sich nicht ändern. Dafür haben wir viele Bekanntschaften mit Hunden gemacht (in einer kleinen Ortschaft, wo wir auf der Suche nach irgendeinem Lokal waren, haben wir es geschafft, dass alle Hunden uns anbellten. Wir haben mit zwei ältere Herren unterhalten, die die Glocken genauer gesagt den Aufhängung der Glocken einer Kirche in Stand gesetzt haben und wir wurden freundlich von einer alten Frau begrüßt, die eine kleine Runde drehen wollte (in Kittelschürze, Schlappen und mit Stock), weil heute das Wetter so schön war.

Ansonsten verlief die Route ganz entspannt und wir kamen so gegen 12:15 Uhr in Lugo an. Lugo entspricht Kilometer 100 vor Santiago und ab hier brauchen wir jeden Tag Minimum zwei Stempel, um unsere Compostela zu erhalten. Wir haben heute ein Doppelzimmer in einer Pension gebucht in der Altstadt. Mehrere Mal haben wir eine Runde in dieser schönen Stadt gedreht, die Stadt ist absolut sehens- und lebenswert. Eine ganz hervorragende Stadtmauer, die die beste erhaltende ist in ganz Spanien und wahrscheinlich überhaupt in Europa, weil sie auf 2,2 km die ganze Stadt umrundet, und die Kathedrale ist auch nennenswert.

 

Andrea Bokler und Ignacio Garcia mit schwarzen T-Shirts auf grünen Couch, nach vorne blickend.

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Etappe 9 Camino Primitivo: Lugo – Ferreira 

Etappe 9: 28,5 km, 580 Höhenmeter

 

 

Nicht viele Höhenmeter – die heutige Etappe würde ich beschreiben, als leicht zu laufen. Wir haben Lugo ungefähr eine halbe Stunde später verlassen als ursprünglich gedacht. 7:30 Uhr. Wir haben eine halbe Stunde länger unseren Schlaf genossen. Dann haben wir nach eine Frühstücksmöglichkeit gesucht, nichts Großes, aber zumindest einen Kaffee, nachdem wir gestern ziemlich leer ausgingen. Das hat ein kleines bisschen gedauert, weil um die Uhrzeit nicht viel offen hatte. Wir wurden aber fündig. Nach einem leckeren Café con Leche und einen halben Sandwich (einfach nur als Tapa geschenkt dazu), machten wir uns auf dem Weg aus der Stadt. Es lief sich gut. Wir haben ein paar bekannte Mitwanderer getroffen. 

 

Es gab relativ viel Asphalt gehabt, wobei man ehrlich sagen muss, dass es so gut wie kein Verkehr auf den Straßen gab. Es gab eine Zeit, wo wir so circa 3 km parallel zur Straße liefen, aber getrennt davon und auf Schotter, was das Laufen angenehmer machte. Bemerkenswert war heute, dass wir die 100 km Marke in Lugo hatten, was dazu führt das ganz neue Gruppen plötzlich auftauchen. Das sind Wanderer/Pilger, die die letzten 100 km machen, um die Compostela zu bekommen. Die gibt es ab 100 km zu Fuß. Ein Teil der Gruppen waren Ausländer mit volle Ausrüstung, um die nächsten fünf Tagen oder vier Tagen zu laufen, ein Teil waren einfach mal Tageswanderer, die so ein 10 l Rucksack mit einem Sandwich und eine Flasche Wasser hatten. Jeder macht halt das, was er für richtig hält oder was er kann. 

Irgendwann ging der Weg in Richtung Wald, und dann wurde es richtig schön, weiche Wege, schön schattig und einfach mal schön. Nach ein paar Kilometer landeten wir wieder auf der Straße, und das Spielchen fing von vorne an. Wir haben Pilgern überholt, wurden von anderen überholt und so haben wir den Tag verbracht. Bei ungefähr Kilometer 16 tauchte dann endlich mal auf der Strecke die erste richtige Bar auf, wo sich die ganze Pilgerschafft versammelt hat. Davor bei ungefähr Kilometer fünf gab’s irgendein Automat, aber den haben wir einfach mal ignoriert. Jetzt ging’s richtig zur Sache, weil man Getränke bestellen konnte, noch was zu essen und man hat sich einfach mal ausgetauscht.

Danach hatten wir nur noch 7 km bis Ferreira. Ungünstig lag ungefähr 2 km danach die nächste Bar, wo wir auch halt gemacht haben, was die Sache etwas verzögert hat. Aber insgesamt kamen wir um 14:00 Uhr an, haben unsere Betten bezogen, Wäsche gewaschen, uns geduscht und seitdem (4 Stunden später) sitzen wir draußen und genießen die frische Luft in der Sonne und trinken ein paar Bierchen und Weinchen. Was will man mehr?

 

Etappe 10 Camino Primitivo: Ferreira – Melide 

Etappe 10: 20,8 km, 360 Höhenmeter

Eine ziemlich einfache Sache mit 21 km und wenige Höhenmeter. Irgendwie war die Zeit schnell um und wir waren plötzlich vor unserer Unterkunft, was wiederum die Kreuzung für uns zwischen den Camino primitivo und Camino Frances war. Vielleicht zuerst das Thema Unterkunft, wir haben ein Doppelzimmer für kleines Geld in eine Art Hostel gebucht. Highlight ist nicht nur wie schön eingerichtet und sauber alles ist, sondern auch, dass wir einen Swimmingpool haben. Das Wasser ist sehr kalt, aber immerhin waren wir drin. 😁. 

 

Zurück zu unserer Wanderung. Heute lief alles wie am  Schnürchen. Bei Kilometer sechs dachten wir, wir hätten keine Möglichkeit zu frühstücken, aber dann fanden wir doch ein sehr schönes Lokal. Und dann 4 oder 5 km später noch mal eine Bar, wo wir auch gefrühstückt haben. Beim ersten Mal mit Toastada und beim zweiten Mal un pincho de Tortilla. und so gestärkt haben wir die letzten 7 km bis zur Herberge ohne weitere Verpflegung gemeistert. Es gab heute auch relativ viel Asphalt, aber irgendwie lief sich das besser als gestern. Es waren viele sehr sehr kleine Straßen und bis auf die letzten 3 km in die Stadt Melide, gab es keinerlei Verkehr. 

 

Hier gibt es in der Stadt eine Art Messe, was mit der traditionelle Gebäck der Stadt zu tun hat (die Melindres, ein Gebäck mit Anis) und wir drehen nachher eine Runde und probieren die lokale Spezialität. 

 

Etappe 11 Camino Primitivo: Melide – Astrar

Etappe 11: 32,5 km, 590 Höhenmeter

Die heutige Etappe ist die vorletzte bis Santiago. Wir sind sehr früh gestartet (für unsere Verhältnisse, um 6:30 Uhr), weil wir Zeit haben wollten, um kurz vor Ende der Etappe an einem bestimmten Restaurant essen zu können, und weil wir auch davon aus gingen, dass die Hitze der vorherigen Tagen auch heute noch da sein würde.  

 

Die Etappe hat über 32 km, und deswegen wollten wir einfach mal früh unterwegs sein. 

An sich war die Etappe relativ einfach, etwas Asphalt, aber mit wenigen Verkehr beziehungsweise teilweise gar keinen Verkehr, teilweise liefen wir parallel zur Straße, aber auf Schotter, und teilweise durch schöne Wege durch den Wald durch. 

 

Wir haben zweimal gefrühstückt, wie es mittlerweile Usus geworden ist. Beim ersten Mal lediglich einen Kaffee und einen O-Saft, und bei Arzúa, einen richtiges Frühstück mit Kaffee und getröstetes Brot. Das war allerdings Kilometer 15. 

 

Danach war unser Highlight bei km 29, ein bestimmten Restaurant mit extrem lecker Tortilla zu finden. Es hat ein bisschen gedauert aber um 14:00 Uhr saßen wir da und haben richtig lecker gegessen. Gefühlt anderthalb Stunden später haben wir unser Pilgern wieder aufgenommen, um die letzten 2 km zu Fuß zu machen. In der Herberge angekommen, haben wir eine Reihe neuer Leute kennengelernt, mit denen wir nette Gespräche geführt haben und insgesamt einen sehr schönen und gelungenen Tag hatten. Mehr Bilder dazu im 12 von 12 Blogbeitrag. Morgen laufen wir bis Santiago de Compostela.

 

Etappe 12 Camino Primitivo: Astrar – Santiago de Compostela

Etappe 12: 24,5 km, 360 Höhenmeter

Heute haben wir die letzte Etappe bis Santiago. Wir sind auf dem Camino Frances, und damit verbunden, gibt es immer Berichte von Pilgerautobahnen, Probleme bei Übernachtungen und irgendwie der Verlust von jeglicher Pilger-Spirit, den es sonst gegeben hätte. 

 

Der Tag fing frisch und etwas nass an. Über Nacht hat es geregnet. Wir erwarteten Regen so gegen 11:00 Uhr und dieser kam deutlich früher, gleich um 8:00 Uhr und bevor wir richtig los gestartet sind. Sei es wegen des Wetters oder weil es Montag war oder weil wir nicht dort übernachtet haben, wo vielleicht andere es getan haben), kann ich nur berichten, dass es Momente gab, wo wir niemand vor uns hatten, und es heute deutlich weniger los war, als zu erwarten wäre. Der Weg an sich ist besonders schön,relativ flach und hat viel Asphalt und hat ein paar Hügel. 

 

Bei den nassen Verhältnissen gibt es zwei Besonderheiten: Zuerst, dass der Weg recht gut gepflegt ist und es wurde nicht matschig und zweitens, dass es in den Eukalyptuswäldern extrem intensiv und gut gerochen hat.

Ansonsten haben wir die übliche Routine gehabt, zweimal angehalten, um einen Café con Leche zu nehmen und beim zweiten Mal un pincho de tortilla. 

Nach circa 16 km kamen wir an dem Hügel namens Monte o Gozo, wo traditionell zum ersten Mal die Kathedrale von Santiago in die Ferne zu sehen ist. Heute war absolut nichts zu sehen, aber auch das war lustig.

 

Sonst nicht viel zu melden,  rein in die Stadt und kurz bevor wir in die Altstadt gelaufen sind, haben wir uns Zeit genommen, um ein bisschen was zu essen und zu trinken und wir waren in unserer Herberge bei circa 13:00 Uhr. Davor haben wir die Compostela abgeholt, ein Prozess, der gerade mal 3 Minuten gedauert hat (super digitalisiert).

 

Jetzt haben wir ein paar Tage Zeit in Santiago de Compostela, und hoffen auf gutes Wetter, um ein bisschen Tourismus in der Region machen zu können. 

 

Fazit zum Camino Primitivo

Mein Fazit über den Camino primitivo ist, dass es ein sehr schöner, aber anspruchsvoller Weg ist. Wenig touristisch, ab und zu zu wenig Bars. Ich würde es jederzeit wiederholen, vielleicht nächstes Mal bekomme ich besseres Wetter in der Etappe über die Hospitales. Ansonsten war es schön, mit Andrea im gleichen Schritt laufen zu können. 

 

Heute haben wir der Tag in Pontevedra verbracht. Mit dem Bus hin und zurück gefahren (55 km entfernt von Santiago) und einfach mal der Tag lang durch die Stadt geschlendert. Viele schöne alte Gebäude und eine nette Atmosphäre. Wie oft in den letzten Tagen hat es fünf oder sechs mal geschüttet und dazwischen gab’s Sonne. Kalt war es auch noch, aber gleich wieder warm, als die Sonne schien. Ich kannte die Stadt nicht, und freue mich heute da gewesen zu sein. Wie so oft haben wir lecker gegessen und wir waren um 18:00 Uhr wieder in Santiago. 

 


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